Bericht vom 5.12.2008

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Im Rahmen des traditionellen Adventstreffens hielt Prof. Dr. M. Görtemaker, von der Universität Potsdam und Mitglied im erweiterten Vorstand, einen Vortrag zum Thema: Von der Bonner zur Berliner Republik – Eine Bilanz nach 60 Jahren.

Er spannte den Rahmen statt 60 Jahre 160 Jahre weit. Das Scheitern der Revolution von 1848 sei eine entscheidende Zäsur in der deutschen Entwicklung gewesen. Die Reichsgründung 1871 schließlich stelle die Erfüllung einer Sehnsucht zu einem hohen Preis dar: der Abkopplung von der westeuropäischen liberalen Entwicklung. Die Mittellage in Europa habe eine Schaukelpolitik zur Folge gehabt. Diese sei zugleich Stärke und Schwäche gewesen. Die beiden Weltkriege seien ein europäischer Bürgerkrieg gewesen, das Scheitern der Weimarer Republik ein logisches Ereignis. Mit der Zerstörung Deutschlands und der europäischen Ordnung 1945 sei alles in Frage gestellt worden. Europa habe als weltpolitisches Zentrum abgedankt; der Aufstieg der Weltmächte USA und SU führten zu einer politischen, militärischen und ideologischen Bipolarität. Die deutsche Teilung sei eine logische Konsequenz der militärischen Besetzung und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland eine Konsequenz des kalten Krieges. Adenauers Konzept der Westintegration, die andauernde Präsenz Amerikas in Europa und der amerikanische Druck auf Frankreich führten schließlich zu einem europäischen Integrationsplan. Die neue Ostpolitik und der Zusammenbruch des Sowjetimperiums mündeten in die Wiedervereinigung Deutschlands. Die 2+4-Verhandlungen und der Vertrag über den Abzug der sowjetischen Truppen führten zu fundamentalen Veränderungen im europäischen Raum. Bilanz: Die Verfassung blieb weitgehend unverändert; die Einbindung in EU und NATO blieben erhalten. Die Unterschiede: Die EU erfuhr eine Osterweiterung; Deutschland ist kein Randstaat mehr, sondern rückt in die Mitte; die Souveränität Deutschlands führt zu neuen außenpolitischen Herausforderungen; das Parteiensystem verändert sich: mehr Parteien machen neue Optionen möglich; der Sozialstaat sei nach der Wiedervereinigung nicht mehr finanzierbar. In der abschließenden historischen Einordnung sieht Görtemaker das Ende des deutschen Sonderwegs als erreicht an. Die Wiedervereinigung erfolgte im Einklang mit den europäischen Staaten. Die Fortsetzung der europäischen Integrationspolitik sei möglich und die Einbindung Deutschlands sei Zeugnis der Normalität. Mit den interessierten Zuhörern entspann sich eine anregende Diskussion besonders über die Beurteilung der Stalin-Note, die Ostpolitik und den Sozialstaat. Die Landesvorsitzende Frau Mächler dankte dem Vortragenden und wünschte allen Teilnehmern eine schöne Adventszeit.

Manfred Schmitz

Geschichtslehrerverband-Berlin
© M. Schmitz
Letzte Änderung am: 17.1.2009