Das Standpunkte-Projekt |
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Ausgangslage
Projektidee
Projektträger und -unterstützer
Das Projekt Standpunkte
Projektziele
Die Fortbildung von Lehrkräften
Die Arbeit der Multiplikatoren
Die Schaffung bezirklicher Netzwerke
Wo erreiche ich Standpunkt-Pädagogen?
Unterrichtsmaterial auf CD-ROM
Aufgabenstellung des Projektes bis Dezember 2003
Ausgangslage
Rechtsextreme Orientierungen treten im Alltag der Schulen in verschiedenen Formen in
Erscheinung. Die direkte permanente bzw. aktionistisch politisch rechtsextreme Manifestation
ist dabei relativ selten. Sie gibt es aber auch.
Erscheinungsformen des Auftretens rechtsextremer Orientierungen in der Schule sind nach den
Erfahrungen der RAA Berlin:
rechtsextrem motivierte Darstellung rechtsextremer Kennzeichen und Symbole an schulischen
Gegenständen sowie an der Person selbst und deren Gegenstände
demonstrative und subversive Verwendung von sprachlichen und symbolischen Codes zum Zwecke der
Integration Gleichgesinnter und zur Exklusion und Stigmatisierung von "Feinden" und "Unpersonen"
in Schüler-und Lehrerschaft oder Schulpersonal.
Herstellen von "Angsträumen" für Ausgegrenzte in Schüler- und Lehrerschaft oder Personal
Organisation von Mobbing gegenüber Ausgegrenzten
Drohung und Anwendung von Gewalt gegen Ausgegrenzte.
Auf der geistig-ideologischen Ebene werden nach Meinung von Bernd Wagner, Leiter des Zentrums
demokratische Kultur in Berlin, folgende Schwerpunkte sichtbar, die nicht selten von Lehrern
ignoriert werden:
die Ideenwelt des "arischen" Rassismus, einschließlich nordischer Mythologie und völkischen
Kulturchauvinismus
sozialdarwinistische Gewaltakzeptanz, Militanz als "Nationaler Widerstand"
nationalistische, volksgemeinschaftliche Globalisierungskritik
Ablehnung der Menschenrechte und der Demokratie
Projektidee
Die Idee zu dem Projekt "Standpunkte" entstand nach negativen Erfahrungen mit Seminaren zum
Thema Rechtsextremismus. Kurzfristige Fortbildungen durch externe Fachkräfte erzielen
anscheinend kaum nachhaltige Effekte an den jeweiligen Schulen. Zwar ist es wichtig, Lehrer und
Lehrerinnen über Symbole, Kleidungscodes und Vorstellungswelten rechtsextremer Schüler
aufzuklären; es erscheint sinnvoll, mit ihnen Argumente und Gegenstrategien zu erarbeiten.
Lehrer stehen nach einem Seminartag aber nicht als qualifizierte Berater zur Verfügung und
setzen danach selten langfristige Entwicklungen in Gang, es findet kein Bewusstseins-, Klima-
oder gar Strukturwechsel an der Schule statt. Nachdem der Referent gegangen ist, bleibt meist
alles so wie es ist.
Wesentliche Neuerung des Standpunkte-Projektes ist es, Lehrer und Lehrerinnen selbst zu Experten
auf dem Gebiet Rechtsextremismus zu machen, die dann als Multiplikatoren an den Schulen tätig
werden. Die Struktur des Projektes weist folgende Merkmale auf, die der Bekämpfung des
Rechtsextremismus an Schulen eine neue Qualität verleihen sollen:
Die Arbeit wird nicht von externen Fachkräften geleistet, sondern intern. Lehrer kennen die
Nöte ihrer Kollegen am besten, sie sind vom Fach und mit den Beziehungsgeflechten und Problemen
vor Ort vertraut.
Lehrer arbeiten als ausgebildete Berater langfristig und sind an ihrer Schule und in ihrem
Bezirk ständig präsent.
Die Beratung ist lokal verortet. Anstelle zentraler Beratungsinstitute ergibt sich ein
dezentrales Netz von Multiplikatoren. Jeder Multiplikator kann gezielt auf die spezifischen
Anforderungen in seinem Bezirk reagieren. Die sind in Berlin z.B. in Hellersdorf oder Kreuzberg
völlig unterschiedlich.
Projektträger und -unterstützer
Das Projekt entstand Anfang des Schuljahres 2000/001 als Initiative von Lehrern und
Politikwissenschaftlern und entwickelte sich zu einem Kooperationsprojekt zwischen dem Lisum und
der RAA Berlin. Der Arbeitsort des Projekts ist die RAA Berlin.
Das Projekt wird unterstützt u.a. von der Schering AG, CIVITAS, der Friedrich-Ebert-Stiftung,
dem Berliner Verband der Widerstandskämpfer (BVVdN), der Jüdischen Gemeinde und anderen
Organisationen.
Das Projekt Standpunkte
Das Projekt "Standpunkte" hat das Ziel, durch Fortbildung und Entwicklung die Rolle der
Lehrkräfte in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
zu stärken und zur Förderung einer demokratischen Schulkultur beizutragen.
Durch Selbstorganisation, Entwicklung und Förderung von Projekten sowie Formen der bezirklichen
Vernetzung bildet "Standpunkte" über die Lehrerfortbildung hinaus eine Brücke zwischen Schule
und Kommune und leistet einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stärkung der demokratischen
Zivilgesellschaft.
Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus führt oft zu Gefühlen wie Angst, Hilflosigkeit
oder Wut. Das Umgehen mit diesen Gefühlen in der Auseinandersetzung um eine eigene
Positionierung ist Teil der Fortbildung. Dazu gehören das Umgehen mit vermeintlichen
Versagensängsten und der Anspruch "souverän" mit Konflikten in der Klasse umzugehen.
Ein zentrales Kriterium bilden folgende Fragen: Welchen Einfluss haben rechtsextreme Schüler auf
das Klima in der Klasse und in der Schule? Trauen sich andere Schüler in Klassen mit
rechtsextremen Schülern eine gegenteilige Meinung zu äußern oder bleiben sie passiv oder
stimmen sie zu?
In Gesprächen betonen Lehrkräfte, dass sie bei der Bekämpfung des Problems Rechtsextremismus
nicht die Funktion einer "Feuerwehr" für die Gesellschaft übernehmen wollen. Dem liegt die
Erfahrung begrenzter Einflussmöglichkeiten auf die Jugendlichen zugrunde. Die Vermittlung von
Einsichten und Erkenntnissen über Gesellschaft und Politik, das aktive Eingreifen für unsere
Demokratie ist Voraussetzung für eine glaubwürdige Positionierung. Die Begrenzung pädagogischer
Konzepte gegen den Rechtsextremismus zu erkennen, aber auch die vorhandenen Handlungsspielräume
im Sozial- und Lernraum Schule auszuschöpfen, ist wichtiger Bestandteil der Projektarbeit.
Im Rahmen des Projekts sollen Strategien erörtert werden, die es ermöglichen, die Mehrheit für
demokratische Werthaltungen zu gewinnen und gleichzeitig mit rechtsorientierten Schülern als
Widerpart im Gespräch zu bleiben. Diese Aufgabe setzt nicht nur eine demokratische
Lehrerpersönlichkeit, sondern auch Wissen über Ziele und Inhalte des Rechtsextremismus voraus.
Verweigerung von Gesprächsbereitschaft kann zur Verfestigung des rechtsextremen Weltbildes
führen, weil den Schülern das Gefühl vermittelt wird, nicht ernst genommen zu werden. Die
Grenze ist spätestens erreicht, wenn es um Formen von Rassismus und Gewalt, auch repressiver
Gewalt in der Klasse, geht. Hier müssen Mittel der Schulaufsicht eingesetzt werden.
Als unmittelbare Ziele für das Projekt ergeben sich:
Klärung des persönlichen Selbstverständnisses als Lehrkraft. Das schließt den Umgang mit Gewalt
und Fremdenfeindlichkeit, das Wirken als demokratische Persönlichkeit in der Klasse und die
Entwicklung von Demokratie in der Schule ein.
Sicherheit im Einschätzen von rechtsorientierten Schülern gewinnen. Das umfaßt das Kennen
wesentlicher Merkmale rechtsextremer Ideologie, das Wissen, wie Rechtsextremisten Schüler
beeinflussen können und das Erkennen rechtsextremer Strukturen und Alltagskultur in der
Schule.
Möglichkeiten erkennen, um Schüler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und
Alternativen gegen den Einfluss rechtsextremer Ideologie zu bieten. Das bedeutet die Schaffung
einer Vertrauensbasis in der Klasse, die Suche nach Möglichkeiten, produktiv mit Aggressionen
umzugehen und die Entwicklung von Selbstvertrauen und Identitätsbildung durch eine demokratische
Lernkultur.
Projektziele
Die Fortbildung von Berliner Lehrkäften in der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung
mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Auffassungen und Verhaltensweisen in der Schule.
Die Fortbildung und Unterstützung der Arbeit von Multiplikatoren in den Bezirken als
Beratungslehrer gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.
Die Unterstützung von Lehrkäften und Lehrerkollegien bei der Durchführung von
Fortbildungsveranstaltungen, Studien- und Projekttagen in den Schulen zu den Themen
Rechtsextremismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.
Die Entwicklung und Unterstützung von "Best-practice-Projekten" an Schulen und in Bezirken, um
Demokratie an konkreten Beispielen erfahrbar zu machen.
Die Schaffung von bezirklichen Netzwerken als Brücke zwischen Schule und kommunalem Raum, im
Sinne der Herausbildung einer zivilgesellschaftlichen, demokratischen Kultur.
Die Unterstützung von Lehrkräften bei der Entwicklung neuer Unterrichtsmaterialien gegen
Rechtextremismus und Ausländerfeindlichkeit bzw. der Verbreitung positiver Ansätze in der
Projektarbeit.
Die Fortbildung von Lehrkräften
Die Ausbildung der Lehrer zu "Rechtsextremismus-Experten" wurde im Januar 2001 eingeleitet durch
einen zwölfteiligen Qualifizierungsgang, der auf ein Jahr angelegt war. Während die
Friedrich-Ebert-Stiftung den organisatorischen Rahmen stellte, entwickelten Mitarbeiter von RAA
und ZDK ein inhaltliches Programm.
Die gesamte Reihe war in drei Blöcke gegliedert. Zunächst wurden die Teilnehmenden mit
grundlegenden Erscheinungsformen, Entwicklungen und Ursachen des Rechtsextremismus vertraut
gemacht. In einer zweiten Phase setzten sich die Lehrerinnen und Lehrer mit
Argumentationsstrategien, konkreten Handlungsoptionen im schulischen Kontext und
interkulturellen Fragen auseinander. In der dritten Einheit standen beispielhafte Vorschläge für
Unterricht, Schule und Schulumfeld im Vordergrund. In einer ähnlichen Weise ist übrigens diese
CD-Rom aufgebaut. Auf den Infoteil folgt der Argumentationsteil und schließlich die
Unterrichtseinheiten und methodischen Vorschläge.
47 Lehrer aus den verschiedensten Berliner Schultypen und Bezirken absolvierten dieses Seminar
im Jahr 2001. Sie waren danach befähigt, rechtsextreme Bestrebungen zu analysieren, sich in
Diskussionen und bei Vorfällen zu positionieren und zu reagieren. Eine Umsetzung des
angeeigneten Wissens in Unterrichteinheiten erfolgte ebenfalls exemplarisch.
Allerdings war das Seminar eine lang angelegte Lehrerfortbildung, also keine strukturelle
Neuerung. Die konnte erst erreicht werden, nachdem sich Lehrer aus der Gruppe als
Multiplikatoren langfristig in den Bezirken engagieren wollten.
Mit dem Schuljahr 2001/2002 begannen in einer zweiten Phase deshalb 12 Multiplikatoren und
Multiplikatorinnen mit der Vorbereitung ihrer Beratertätigkeit in den Bezirken. Entsprechend der
von ihnen selbst festgestellten praktischen Bedürfnisse fand für die Multiplikatoren im Jahr
2002 eine von der Schering-AG finanziertes Train-to-Trainer-Programm statt, in der die
Multiplikatoren auf ihre Beratertätigkeit vorbereitet wurden. Hier erhalten sie spezifische
Unterstützung in den Bereichen Beratungstätigkeit, Argumentationstraining, Projektmethode,
civic education, productive learning,u.a...
Die Arbeit der Multiplikatoren
Ab dem Schuljahr 2001/002 begann der Einsatz der Multiplikatoren als Beratungslehrer. Der
Einsatz der Multiplikatoren gestaltet sich schulspezifisch nach dem klassischen
Innovationsprinzip von research, development und dissemination
in Form von Katalysatoren, die auf Probleme aufmerksam machen und damit die Eigenaktivität der
einzelnen Schule in Gang setzen, besonders bei schon aktiven Schulen,
in Form von Beratern, die direkt Unterstützung vor Ort leisten z. B. bei der Gestaltung von
Studien- und Projekttagen oder Vorfällen mit rechtsextremen Hintergrund,
in Form von Entwicklern und Unterstützern in Projekten an den Schulen.
Die konkreten Ziele für die Arbeit der Multiplikatoren können nicht von oben vorgegeben werden,
sondern verlangen eine Partizipation der Lehrkäfte an diesen Lernzielen, entsprechend der
spezifischen Bedingungen in der Schule bzw. im Bezirk. Ganz konkret kann die Arbeit der
Multiplikatoren sehr vielfältig sein:
Bei verschiedenen Vorfällen können sie eine entsprechende Intervention einleiten, die von
Verboten über die Thematisierung des Vorfalls bis zur Stärkung demokratischer Gegenkräfte an der
Schule und Opferschutz reicht. Dazu ist eine genaue Kenntnis der rechten Szene und ihrer
Strategien vonnöten, aber auch eine klare Positionierung auf demokratischem Grund.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber erfahrungsgemäß nicht. Das Gleichbehandlungsgebot
von Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Nationalität sie sind, steht im
Grundgesetz, trotzdem gibt es an Schulen vielfach Diskriminierung und Ausgrenzung, nicht nur
gegenüber Migranten. Schüler, die sich engagieren wollen, werden des Öfteren in die linke Ecke
gestellt oder mit Bedrohungen allein gelassen, anderen potenziellen oder realen Opfern geht es
nicht selten genauso. Engagierten Lehrern wird entweder Hysterie oder Profilneurose vorgeworfen.
Rassismen, die auch in Lehrerkollegien vorkommen, werden häufig nur mühsam unter einer
aggressiven Sachlichkeit verdeckt. Ob an Schulen Ausgrenzung stattfindet, ob Konflikte mit
Gewalt und autoritär oder mediativ gelöst werden, ob Rassismen und Ängste offen angesprochen
oder unter dem Deckel gehalten werden, wirkt sich sehr auf das Schulklima aus, in dem
rechtsextremistische Vorstellungen dann besser oder schlechter gedeihen. Multiplikatoren müssen
sich erfahrungsgemäß sehr mit entsprechenden Widerständen auseinander setzen und ihre Rolle an
der Schule erst finden.
Zielrichtung des Standpunkte-Projektes ist unter anderem eine Demokratisierung von Schule.
Kulturelle, sportliche, interkulturelle oder ökologische Projekte können von den Multiplikatoren
vermittelt und von Schülern selbst gestaltet werden. Durch die Beteiligung im Projekt wird die
Selbstbestimmtheit und soziale Kompetenz von Jugendlichen gefördert, sie erleben sich als
kreativ und produktiv und übernehmen Verantwortung. Diese partizipativen, gruppenorientierten
Lehr- und Lernformen tragen zu einem demokratischeren Lernklima an der Schule bei. Insbesondere
sollten Projekte gefördert werden, die sich mit den Themen Rechtsextremismus und Rassismus
auseinander setzen. Multiplikatoren können darüber hinaus Projekttage, Zeitzeugenbesuche,
Geschichtswerkstätten oder Gedenkstättenfahrten vermitteln oder begleiten.
Sie können dazu beitragen, dass es an der Schule z.B. durch die Einrichtung von Schülerclubs
oder Schülerfirmen zu einer Schulöffnung in Richtung Jugendsozialarbeit und Kommune kommt. Auf
diesem Weg kann eine Rückkopplung mit zivilgesellschaftlichen Initiativen in der Kommune und der
Schule zustande kommen.
Dieser partizipative Ansatz trägt allerdings nur dann zu einer wahren Demokratisierung des
Schulklimas bei, wenn die Verantwortlichen sich offensiv mit rechtsextremen Einstellungen
auseinander setzen und sich davon abgrenzen. Wenn in einem Fussballprojekt zum Beispiel
Rechtsextreme mitspielen, haben sie vielleicht Spaß und erlernen untereinander besseres weil
regelorientiertes soziales Verhalten. An vorhandenen rassistischen Einstellungen und
Diskriminierungen wird sich aber trotzdem nicht viel ändern. Entsprechenden Äußerungen muss der
Pädagoge oder die Pädagogin deshalb entgegentreten. Bei Jugendlichen, die noch durch Gespräche
erreichbar sind, sollte eine Diskussion in Gang kommen, bei der sich Lehrer klar positionieren.
Die richtige Mischung zwischen Akzeptanz der Person gegenüber und Abgrenzung gegenüber
undemokratischen Einstellungen gilt es zu finden. Nicht nur Partizipation, auch diese politische
Auseinandersetzung gehört zu einem demokratischen Klima dazu, denn es geht im Kern um die
Verteidigung des Gleichwertigkeitsgebots der Demokratie.
Rechtsextreme Organisationen sind heute nicht mehr unbedingt hierarchisch gegliedert, schon gar
nicht nach dem Führerprinzip. Es gibt die verschiedensten Gruppen, die dezentral agieren.
Mitbestimmung der Basis spielt auch hier eine nicht untergeordnete Rolle. Das bewahrt
allerdings nicht vor rassistischen, biologistischen Einstellung und der Nichtbeachtung der
Menschenwürde.
Essenziell ist deshalb nicht nur eine Teilhabe von Schülern in Unterricht und Schule, sondern
ein politisches Credo für demokratische Werte von Seiten der Pädagogen. Nur so lässt sich ein
nicht-diskriminierendes, nicht-rassistisches Schulklima schaffen.
Die Schaffung bezirklicher Netzwerke
Die Bedeutung der Kommune für die Herausbildung rechtsextremistischer und fremdenfeindlicher
Denk- und Verhaltensweisen ist in den letzten Jahren immer wieder nachgewiesen worden. Lokale
Präventionsansätze gewinnen deshalb zunehmend an Gewicht. Im Mittelpunkt steht das politische
Klima im Bezirk über die einzelne Schule hinaus, das stark von den lokalen Akteuren und deren
Zusammenwirken geprägt wird.
Das erste Netzwerk wurde im Bezirk Hellersdorf-Marzahn unter Beteiligung der Schulaufsicht und
des Landeselternausschusses gebildet. Die Netzwerke greifen über den Platz der einzelnen Schule
in den kommunalen Raum ein. Es wird versucht gerade in den Bezirken, in denen rechtsorientierte
Jugendkultur im Alltag dominiert, ein Gegengewicht zu setzen.
Die Entstehung eines bezirklichen Netzwerkes stellt im Kern den Zusammenschluss mehrerer
Schulen, Schüler, Lehrer, Eltern, Gremien, Einzelpersonen mit bezirklichen Institutionen dar.
Es dient dem gegenseitigen Informationsaustausch, der Durchführung gemeinsamer Aktivitäten, der
Kooperation von Schule und Jugendhilfe in folgenden Bereichen:
der Entwicklung und Durchführung kommunalpolitischer Analysen,
der lokalen Unterstützung schulischer Aktivitäten,
der Erfassung und Analyse von Rechtsextremismus und Rassismus im Bezirk,
der Öffnung von Schulen mit dem Ziel Demokratie erfahrbar zu machen,
der Arbeit mit Schülermultiplikatoren (peer-leader),
der Rekrutierung privater und öffentlicher Mittel für Projekte.
Langfristig können diese Netzwerke im Sinne des "linkage Modells" einen Teil beitragen zur
Schaffung bezirklicher Vermittlungsagenturen, die als Zentren so schulnah sind, dass man die
einzelnen Lehrer erreichen und gleichzeitig im Sinne ihrer Brückenfunktion, die Verbindung zur
Jugendhilfe, kommunalen Institutionen und Betrieben herstellen kann.
Wo erreiche ich Standpunkt-Pädagogen?
In fast jedem Berliner Bezirk sind Standpunkte-Pädagogen erreichbar und eingebunden in jeweilige
Netzwerke.
Charlottenburg-Wilmersdorf:
Chana Steinwurz, Ernst-Adolf-Eschke-Schule,
Telefon: 030/902 92 50 00
Friedrichshain-Kreuzberg:
Wolfram Seidel, Ellen-Kay-Gesamtschule
Telefon 030/296 98 12
Lichtenberg:
Burkhard Zimmermann, RAA Berlin
Telefon 030/240 45 180
Marzahn-Hellersdorf:
Sibille Bühring, Rudolf-Virchow-Schule
Telefon 030/933 92 38
Mitte:
Michael Rump-Räuber, RAA Berlin
Telefon 030/240 45 180
Neukölln:
Heidi Büschel, Walter-Gropius-Schule
Telefon 030/600 90 80
Pankow:
Reinhard Großpietsch, Kurt-Tucholsky-Schule
Telefon 030/479 90 00
Reinickendorf:
Barbara Kirchner, Bettina-von-Arnim-Schule
Telefon 030/403 050
Spandau:
Harry Schapira, OSZ Bautechnik
Telefon 030/335 03 551
Steglitz-Zehlendorf:
Rolf Schüppel, Uckermark-Schule
Telefon 030/756 07 906
Tempelhof-Schöneberg:
Hans-Heinrich-Knebel, Hugo-Gaudig-Realschule
Telefon 030/756 02 666
Treptow-Köpenick:
Elke Baum, Archenhold-Gymnasium
Telefon 030/ 636 01 95
Berufsschulen:
Heidrun Kahla, Loschmidt-Oberschule
Telefon 030/902 925 720
Standpunkte Projektbüro bei der RAA Berlin
Michael Rump-Räuber, Sanem Kleff, Burkhard Zimmermann
Telefon 030/240 45 180
standpunkte@raa-berlin.de
RAA Berlin:
Chausseestr. 29
10115 Berlin
Telefon 030/240 45 100
Fax 030/240 45 509
info@raa-berlin.de
www.raa-berlin.de
Projektträger:
Berliner Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum)
Beuthstraße 6-8
10117 Berlin
Telefon 030/901 710
info@lisum.verwalt-berlin.de
www.lisum.de
Finanziert wird das Projekt durch die Schering AG "Initiative Toleranz" und "Civitas"
Unterrichtsmaterial auf CD-ROM
Im Rahmen des Standpunkte-Projektes und der Kooperation mit dem Lisum und der Schering AG
entstand im Jahr 2002 eine CD-Rom mit relevanten Informationen zum Thema Rechtsextremismus und
Rassismus. Außerdem befinden sich darauf praxisnahe Argumentationshilfen, Unterrichtseinheiten
und Adresslisten. Die CD-Rom gibt Lehrern und Lehrerinnen konkrete Unterstützung bei der
Problemanalyse, der Stundengestaltung und zeigt effektive Reaktionsstrategien.
Die spezifischen Informationen zum Thema Rechtsextremismus und Gegenstrategien waren bisher nur
den Standpunkte-Lehrern und den Multiplikatoren zugänglich. Deshalb war es Absicht des
Projektes, eine CD-ROM zu entwickeln, die einen breiten Kreis von Pädagogen erreichen kann. Sie
findet Verbreitung über die Multiplikatoren, wird von diesen aber auch als Lehrmedium genutzt.
Ziel war es, umfassendes, leicht verständliches und praxisnahes Wissen zugänglich zu machen.
Mit Jahresbeginn 2003 wird nun eine CD-ROM in einer Auflage von 2500 Stück erscheinen, die
kostenlos durch das Landesinstitut für Schule und Medien (LiSuM) an Berliner Lehrer ausgegeben
wird. Sie wurde von Mitarbeitern der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit
und Schule (RAA) und Honorarkräften mit Engagement zusammengestellt, während die Firma k-plus
Atelier für Mediendesign die technische Umsetzung realisierte.
Die öffentliche Präsentation dieses modernen Mediums CD-ROM wird auf einer Pressekonferenz am
27. Januar 2003 in Anwesenheit von Schulsenator Klaus Böger, dem Landesinstitut für Schule und
Medien (LiSuM), der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA),
der Schering AG und natürlich der Standpunkte-Pädagogen stattfinden. Es gibt erfreulicherweise
bereits ein Angebot der Schering AG, in deren Räumlichkeiten Einführungskurse für Lehrer, die
die CD-ROM nutzen wollen, zu veranstalten.
Die CD-ROM enthält mehrere Tausend Seiten mit Text-, Bild- und Tonmaterial. Die Benutzer finden
darauf weitreichende Beschreibungen rechtsextremer Musik, rechter Kleidungscodes und rechter
Symbole. Sie informiert über Germanenkult und das braune Internet, sie beinhaltet
Gegenstrategien, Argumentationshilfen für die Klassendiskussion und Tipps, wie völkischen
Bestrebungen in Schule und Kommune begegnet werden kann.
Es wurden viele erprobte Lehreinheiten zusammengetragen. Mit Hilfe einer "Materialkammer" mit
560 Einträgen - Karikaturen, Bilder und Songtexte etc. - und mit einer vielfältigen
"Methodenkiste" - ca. 70 Methoden - lassen sich eigene Unterrichtseinheiten von Lehrern selbst
gestalten. Analysewissen zum Thema Rechtsextremismus wird so eng mit didaktischen Anregungen und
mit einem Methodenangebot verbunden. Ein Inhaltsverzeichnis der CD-ROM finden Sie im Anhang der
Broschüre.
Die Verwendung der CD-ROM von einzelnen Pädagogen als Informationsquelle und Mittel zur
Gestaltung von Unterricht an Schulen ist ein beabsichtigter Zweck. Vor allem aber wird den
Standpunkte-Pädagogen das Medium für die eigenen bezirksnahen Fortbildungen von Multiplikatoren
ein hilfreiches Instrumentarium sein.
Personal und Etat
Der Etat für das CD-Rom-Projekt betrug knapp 100.000 EURO. Finanziert wurde es ausschließlich
von der Schering AG. Inhaltlich fand eine Zusammenarbeit mit dem Lisum statt. Zeitweilig
arbeiteten über 15 Autoren und Honorarkräfte für das Projekt. Die Gesamtleitung lag bei Herbert
Weber, die didaktische Leitung hatte Sebastian Jänicke.
Weitere Planung
Nach der Veranstaltung am 27.01.2003 soll es drei Fortbildungen mit der CD-Rom für Lehrer und
Lehrerinnen in den Räumen der Schering AG geben. Die Multiplikatoren werden in ihre
Beratungstätigkeit mit der CD-Rom eingeführt.
Als nächster Schritt erscheint es sinnvoll, das gesammelte Material der CD-Rom ins Internet zu
stellen und somit eine Aktualisierung und einen interaktiven Austausch zu ermöglichen.
Um einen solchen zweiten Schritt in der multimedialen Präsenz zu gewährleisten bedarf es noch
vieler Absprachen mit dem Standpunkte-Projekt, dem Lisum, der AAS und der Schering AG.
Aufgabenstellung des Projektes bis Dezember 2003
Hauptziel der dritten Phase des Projekts ist die Schaffung eines nachhaltigen, funktionierenden
Unterstützungssystems gegen Gewalt und Extremismus in den Berliner Bezirken. Dieses soll in
Form von Bezirksnetzwerken geschehen. Die Bezirksnetzwerke haben einen bezirksspezifischen
Charakter und können z. B. aus Lehrern, Eltern, Schülern, Vertretern der Jugendhilfe, der
Polizei und Vertretern bezirklicher Institutionen u. a. bestehen.
Das Projekt dient einerseits der Förderung der sozialen Partizipation von Schülerinnen und
Schülern. Andererseits unterstützt das Projekt den Aufbau einer engen Zusammenarbeit der Schule
mit der Jugendhilfe, aktiven Eltern, Schulpsychologen und den Präventionsbeauftragten der
Polizei bzw. mit Personen und Institutionen aus der Schulumgebung, die der Förderung des
demokratischen Denkens und Handelns an der Schule dienen können.
Aus diesem Personenkreis sollen zwischen September und Dezember 2002 pro Bezirk zehn Fachkräfte
gewonnen werden, die von Januar- Dezember 2003 in einer dritten Phase des Projekts in den
Bezirken fortgebildet werden. Inhalte der Fortbildung sind sowohl Methodenkompetenz im Bereich
Gewaltprävention als auch Förderung der Auseinandersetzung mit politischem Extremismus (eine
Basis bildet die im Rahmen des "Standpunkte-Projekts" entwickelte CD-Rom) und Entwicklung von
Strategien zur Vernetzung. Zu den Inhalten der Fortbildung gehören:
sozial-und entwicklungspsychologisches Wissen zu den Ursachen aggressiven Verhalten im
Jugendalter (in Verbindung mit der Schulpsychologie)
Ursachen und Hintergründe des Rechtsextremismus
Pädagogisch-psychologisches Wissen über die Zusammenhänge von Schulqualität und schulischer
Deliquenzbelastung
Präventions-und Interventionsstrategien
Training zur Gewaltprävention
Training zur interpersonalen Kommunikation und Gesprächsführung.
Für Schülervertreter sollten in Abstimmung mit dem Projekt - Konfliktlosen im LISUM spezielle
Fortbildungsveranstaltungen angeboten werden, die sich mit Methoden der Gewaltprävention
auseinander setzen.
Es sollen pro Bezirk zehn Teilnehmer als Bezirksmultiplikatoren ausgesucht werden.
Der Fortbildungszyklus wird insgesamt neun Themen umfassen, deren Umsetzung bezirksspezifisch
erfolgen soll.
Die RAA und das LISUM stellen die Fortbildungsmaterialien und entsprechende Referenten für die
Bereiche zur Verfügung, die nicht durch die Standpunkt Pädagogen abgedeckt werden können.
Die angemeldeten Teilnehmer aus den Bezirken und Interessierte kommen im Dezember zu einem
Fachkongreß der RAA und des LISUM zusammen. Inhaltlicher Schwerpunkt dieses Kongresses sind die
Themen Gewaltprävention und bezirkliche Vernetzung, insbesondere Zusammenarbeit Jugendhilfe und
Schule.
Das Projekt "Standpunkte" wird folgende Ergebnisse erbringen:
Eine effektive Arbeit und Unterstützung der Schulen zur Bekämpfung rechtsradikaler und
gewaltorientierter Tendenzen,
modulare Fortbildungsmaterialien für Schüler und Lehrer, die nach Ende der Projektlaufzeit für
die Nachnutzung zur Verfügung stehen,
ein Landesnetzwerk bestehend aus den einzelnen Bezirksnetzwerken, die Beispiele für die
Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe schaffen.
Herbert Weber
(Mit freundlicher Genehmigung der RAA / Herbert Weber)
Geschichtslehrerverband-Berlin
© M. Schmitz
Letzte Änderung am: 6.2.2003